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Wegenetz mit vielfältigem Nutzen

Um einen Wald sachgemäß und nachhaltig pflegen und nutzen zu können, ist eine entsprechende Infrastruktur notwendig. Die Forststraße ermöglicht dem Forstpersonal, verhältnismäßig schnell dort im Wald zu sein, wo es gebraucht wird – ob sie nun einen neuen Waldbestand anpflanzen, junge Bäumchen von Unkraut befreien und damit vor dem „Ersticken“ bewahren, ob sie eine vorgesehene Nutzung (Holzentnahme, Schlägerung) durchführen oder nach einem Naturereignis, wie etwa einem Sturm, entwurzelte Bäume und blockierte Straßen aufzuräumen haben. Die gut gepflegte Forststraße, in einem gut ausgebauten Forststraßennetz, ist die Grundlage für Sicherheit, Nachhaltigkeit und Bereitstellung der vielfältigen Waldfunktionen im Forstbetrieb.

Lebensretter Forststraße

Eine ganz essenzielle Funktion der Forststraße ist die als „Rettungsgasse“. Die Waldarbeit als solche ist eine verhältnismäßig gefährliche Arbeit. Aber auch Wanderer und Spaziergänger verletzen sich gelegentlich im Wald. Um schnellstmöglich nach einem Unfall Hilfe leisten zu können, müssen Rettungskräften gut befahrbare Straßen zur Verfügung stehen. Da im Notfall keine Zeit zu verlieren ist, gilt als Faustregel für Waldarbeiter*innen, Fahrzeuge immer in Fluchtrichtung abzustellen. So wird nicht erst wertvolle Zeit beim Umdrehen vergeudet – das kann Leben retten!

Erholung auf Waldwegen

Die Forststraße ist Mittelpunkt für erholungsuchende Menschen im Wald: Für Spaziergänger, Wanderer oder Läufer sorgt sie für ein angenehmes Vorankommen. Das Radfahren im Wald hingegen ist gemäß Forstgesetz nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der Grundeigentümer möglich. Manche Betriebe richten dafür auch spezielle Mountainbike-Strecken ein. Als erholungssuchende Person ist man dabei angehalten auf markierten Wegen bzw. Forststraßen zu bleiben. So entstehen keine Schäden am Wald und Gefahren werden vermieden. Auch werden Wildtiere dadurch weniger gestört und müssen keine zusätzliche, wertvolle Energie aufwenden um zu Flüchten. Diese eingesparte Energie ist gerade in den harten Wintermonaten zum Überleben essenziell.

Die Forststraße als Ökosystem

Neben all diesen wichtigen Funktionen für uns Menschen stellen Forststraßen auch einen ganz besonderen Lebensraum für Tiere und Pflanzen dar. Die Strukturierung und Abgrenzung von Waldbeständen führt zu einem Nebeneinander vielfältiger unterschiedlicher Kleinlebensräume, an denen oft eine hohe, vom restlichen Wald abweichende Artenvielfalt beobachtet werden kann. Die Störzonen und Sonderstandorte, die durch Forststraßen entstehen, ermöglichen ganz besondere Lebensbedingungen, die so sonst im Wald nicht vorzufinden sind. Die geringere Beschattung hat einen positiven Effekt auf licht- und wärmebedürftige Organismen, wie etwa Schmetterlinge. Auch der veränderte Boden und die Häufung von Schutt und Steinhaufen rund um die Wege sorgen für ökologische Nischen, in denen sich spezialisierte Lebewesen ansiedeln. Viele Reptilien beispielsweise lieben Fels- und Schuttanhäufungen ebenso wie Steinhaufen, Wurzelstöcke und Totholz, also strukturreiche Standorte mit viel Sonnenlicht.

Darüber hinaus sind große Unterschiede zwischen der oberen und unteren Straßenböschung zu beobachten: Je steiler die Hänge sind, umso mehr Schutt und Totholz findet sich unterhalb der Forststraße, während oberhalb mehr Humus und Laubstreu sowie ein höherer Anteil von krautigen Pflanzen am Boden und feuchtere Bedingungen zu finden sind.

In Lacken oder Nassstellen in den Seitengräben neben den Wegen wiederum fühlen sich einige Amphibienarten wohl. Für das seltene Auerwild können ebenfalls entsprechend gepflegte Forststraßen als Lebensraum dienen. Sonnige Böschungen mit Sträuchern, auf denen sich die Insekten tummeln, bieten den Vögeln Nahrung und Raum für die Jungenaufzucht. Darüber hinaus können einige Greifvögel, etwa der Habicht, von den Straßen als Flugschneisen profitieren. Auch größeren Arten wie Reh- und Rotwild nutzen das Wegenetz im Wald des Öfteren – zum Teil zur Futtersuche, zum Teil auch zum Vorankommen  zwischen dichteren Waldgebieten.

Ungebetene Gäste

Eine Gefahr für den Lebensraum Forststraße stellen invasive, nicht-heimische Pflanzenarten dar. Einige dieser sogenannten „Neophyten“ profitieren ebenfalls von den Licht- und Wärmeverhältnissen entlang des Wegenetzes und nutzen die Strukturen als Ausbreitungskorridore. Invasive Pflanzen, die keine gemeinsame Evolutionsgeschichte mit unseren heimischen Ökosystemen – und damit auch keine Konkurrenten oder Gegenspieler haben - und geeignete Standortbedingungen vorfinden, breiten sich häufig so stark aus, dass sie andere Arten verdrängen. So findet man etwa das Drüsige Springkraut oft entlang von Forststraßenböschungen, auf denen heimische Pflanzenarten dann keinen Platz mehr haben.

Weitere Informationen zu invasiven Neophyten können unter anderem mit dem Stundenbild „Neobiota im Wald“ vermittelt werden. Die Podcastreihe „Biodi-WER-WIE-WAS?“ vermittelt viele spannende Fakten rund um Biodiversität im Wald für Kinder und Jugendliche.

Mehr dazu:

https://www.bundesforste.at/fileadmin/publikationen/brochueren/Bundesforste_Broschuere_-_Aktiv_fuer_biologische_Vielfalt_an_Forststrassen_2020.pdf

https://info.bml.gv.at/themen/wald/wald-in-oesterreich/wald-und-biodiversitaet/forststrasse.html

https://www.svs.at/cdscontent/load?contentid=10008.740768&version=1606289380#:~:text=In%20den%20letzten%20zehn%20Jahren,Arbeits%2D%20unf%C3%A4lle%20bei%20der%20Waldarbeit

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